Studiengang: Psychologie

Im Erbe der Brüder Grimm- das Studium in Marburg

Julia KattwinkelHallo, mein Name ist Julia, ich war Studienkompass-Teilnehmerin des Jahrgangs 2011 in Köln und bin seit 2014 im Alumniverein des STUDIENKOMPASS, wo ich jetzt Vorsitzende des Fundraising-Teams bin.

Da Psychologie ein sehr beliebtes Studienfach ist, dachte ich mir, ich berichte hier mal über meine Erfahrungen:

Ich studiere Psychologie seit dem Wintersemester 2013 an der Philipps-Universität in Marburg, einer sehr schönen Studentenstadt mit Tradition. Wir haben einen 8-semestrigen Bachelor und dafür noch einen 2-semestrigen Master.

Das Psychologiestudium ist sehr breit gefächert und setzt sich aus sehr verschiedenen Teilbereichen zusammen, wo gerade am Anfang viel nur angerissen wird und man teilweise nicht weiß, was das mit dem eigentlichen Fach zu tun hat, für das man sich entschieden hat. Wir mussten z.B. im ersten Semester in Biopsychologie einige lateinische Begriffe für Muskeln, Hirnnerven und Hirnareale und deren Funktionen lernen.

Wie man ja schon überall lesen kann, nimmt Statistik schon einen relativ großen Anteil im Psychologiestudium ein. Ich war vor dem Studium auch unsicher, wie gut ich damit klarkommen werde. Wir haben an unserem Fachbereich Gott sei Dank gute Dozenten in der Methodenlehre, sodass es im Endeffekt gut machbar war. Die Methodenausbildung geht aber nach der gefürchteten Statistikklausur noch weiter von Versuchsplanung- und Auswertung über Fragebogenerstellung bis zu testdiagnostischen Verfahren wie Intelligenz- oder Persönlichkeitstest und deren Gütekriterien und Bewertungen. Wie groß der Anteil dieser Module ist, variiert zwischen den Unis, ich habe jetzt keine direkten Vergleiche. Es hängt auch davon ab, ob das Fach an einer naturwissenschaftlichen, einer humanwissenschaftlichen oder einer philosophischen Fakultät gelehrt wird.

In den letzten Sommersemesterferien war ich für ein kompaktes Auslandssemester, sogenannten „summer sessions“ an der University of California, Irvine. Ich belegte dort die Kurse „Developmental Psycho-pathology“ und „Forensic Psychology“, die von einem Professor gehalten wurden, der im State Prison arbeitet. Es war eine unvergessliche Zeit in Kalifornien. Mir wurde dieser Auslandsaufenthalt durch ein Stipendium der Deutschen Universitätsstiftung ermöglicht, für das ich mich bewerben konnte, da ich Teilnehmerin ihres TANDEM-Programms bin. Für dieses TANDEM-Programm, bei dem man einen Professor als Mentor zur Seite gestellt bekommt, kann man sich vom STUDIENKOMPASS-Programm oder von der Roland Berger Stiftung aus bewerben.

Psychologie ist ein lernintensives Fach, da man oft ziemlich lange Skripte quasi auswendig lernen muss. Das sechste Semester ist bei uns für Praktika oder Auslandsaufenthalte vorgesehen. Ich absolvierte ein Praktikum in einer Tagesklinik, wo ich bei Einzel- und Gruppentherapiesitzungen hospitieren durfte und bei weiteren Gruppenangeboten sowie Abteilungs- oder Klinikkonferenzen teilnehmen konnte. Das zweite Praktikum war in einem Beratungsinstitut für Berufszielfindung und Jobcoaching, wo ich praktisch die persönliche Assistenz des Geschäftsführers war und ihn bei der Durchführung der Coachings unterstützt habe.

Mit einem Psychologiestudium kann man später in sehr viele verschiedene Bereiche gehen von Testententwicklung, Marktforschung und Werbepsychologie über Personalwesen und

Organisationsentwicklung, Beratung und Coaching bis zum klinischen Bereich gehen, wo man aber in der großen Mehrheit der Fälle nach dem Master noch eine dreijährige Ausbildung zum Psychotherapeuten machen muss. Ohne den Master in Psychologie ist es schwierig eine Anstellung zu finden

Unterm Strich bin ich echt zufrieden mit meinem Studium in Marburg! Gerade im Vergleich, was ich von anderen Unis höre, ist die Betreuung und die Organisation echt gut. Besonders beim Einstieg ins Unileben wurde man gut an die Hand genommen. Wir hatten z.B. studentische Mentoren im ersten Semester. Bei uns gibt es sehr viele Angebote vom Fachbereich wie Psychokino, Nicht-Statistik-Party, Sommerfest und Weihnachtsfeier. In den ersten Semestern erhält man bei vielem zunächst einen Einblick, in den Anwendungsfächern kommen dann mehr praxisbezogene Inhalte wie die Durchführung von psychologischen Testungen, Gutachtenschreiben oder Erstgespräche simulieren. Diese machen besonders viel Spaß! J

Im fünften Semester hatten wir ein Experimentalpraktikum, in dem wir alle Stationen des wissenschaftlichen Arbeitens von der Versuchsplanung bis zur Datenauswertung und Verschriftlichung in Form eines wissenschaftlichen Artikels durchlaufen haben. Das war sozusagen die Generalprobe vor der Bachelorarbeit, da wir ansonsten keine Hausarbeiten oder ähnliches schreiben mussten. Um die Vorbereitung zu Bachelorarbeit kümmere ich momentan. Auch wenn sich 5 Jahre Studium lange anhören, geht es doch relativ schnell um. Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Erfahrungsbericht einen kleinen Einblick in das Psychologiestudium geben.